Das Grobblechwalzwerk auf der Alten Waltz

Das Blechwalzwerk der JH&H entsteht 1828 durch den Umbau der weiter oben erwähnten Wassermühle an der Emscher. Es liegt in der Bauerschaft Lippern, die 1862 nach Oberhausen eingemeindet wird. Der neue Betrieb walzt die im Hammerwerk Neu Essen bearbeiteten Brammen zu Kesselblechen und später zu Schiffsblechen aus. Um den von den Kunden geforderten höheren Qualitätsstandard erreichen zu können, baut JH&H 1836 ein Puddelwerk. (Im Puddelprozeß wird dem Roheisen Kohlenstoff entzogen, um es schmiedbar zu machen. Zu diesem Zweck schmilzt man es in einem pfannenartigen Ofen wieder ein und läßt Luft über die Schmelze strömen. Dabei verbrennt der Kohlenstoff. Diesen Vorgang unterstützen die Puddler durch ständiges Umrühren – nach dem englischen Ausdruck "puddeln" genannt. Je mehr Kohlenstoff verbrennt, desto dickflüssiger und zäher wird die Masse, das heißt, der Fachmann kann abschätzen, wann der Kohlenstoffgehalt der Charge den gewünschten Wert von 0,5 % erreicht hat. Dann erfolgt der Abstich in Formsandkanäle. Die erkalteten Schmiedeeisenknüppel heißen "Luppen".) In den nächsten Jahren runden die Erzeugnisse eines Schienenwalzwerks (1843) und von zwei Stabeisenwalzwerken (1849 und 1853) sowie einer Grobblechstraße mit Dampfantrieb (1855) die Produktionspalette der Firma ab.

Die Grobblechstraße, in den fünfziger Jahren geschaffen und in den achtziger Jahren verstärkt, verblieb in diesem Zustande bis 1901. Der unumgänglich erforderliche Neubau wurde 1899 beschlossen und alsbald auf dem nordöstlich vom alten Puddelwerk gelegenen Gelände  zwischen der Emscher und der Bahnlinie Duisburg – Osterfeld, mit bequemem Anschluß an die Hüttenbahn von Zeche Osterfeld nach Walzwerk Oberhausen, in Angriff genommen.
Das Grobblechwalzwerk mit anschließender Zurichterei und Preßwerk ist in einer dreischiffigen Halle von fast 180 m Länge und 72 m Breite untergebracht, die von einer 19 m breiten und 100 m langen Querhalle gekreuzt wird, in der die Walzenstraßen stehen. In sämtlichen Hallen sind reichlich Laufkrane vorgesehen, die dem Walzenwechsel sowie dem Transport der Brammen und Bleche dienen…(Woltmann, 1910)

Bild 36: Grobblechwalzwerk 1905Bild 36: Grobblechwalzwerk 1905

In der angesprochenen Querhalle arbeiten zwei von Dampfmaschinen angetriebene Walzstraßen. Hier entstehen aus bis zu 20 t schweren Brammen Bleche in jeder gewünschten Dicke mit einer maximalen Breite von 4 m.

Hinter den Walzenstraßen gleiten die fertigen Bleche auf schiefen Rollenebenen zum Warmbett, von wo sie durch Spille und Querschleppzüge zu den Scheren geholt werden. Für die Weiterbearbeitung der Bleche sind Scheren und Richtmaschinen in genügender Zahl vorhanden.  …  Seitlich von der Scherenhalle befindet sich in einer dritten Halle das Preßwerk. Es enthält eine große Presse mit 4 400 mm Säulenweite und 3 000 mm Lichtweite zwischen Ober- und Untertisch, auf der die größten vorkommenden Kesselböden hergestellt werden können. Außerdem ist eine kleinere Presse vorhanden. Die Halle ist mit Zubehör zur Herstellung von Preßerzeugnissen aller Art ausgestattet.  (Woltmann, 1910)

Bild 37: Lageplan Walzwerk Oberhausen "Alte Waltz" 1910

Bild 37: Lageplan Walzwerk Oberhausen "Alte Waltz" 1910

Die neuen Anlagen nehmen am 1. März 1901 die Produktion auf. Damit kehrt die Eisenindustrie nach Osterfeld zurück. Im Jahre 1921 beschäftigen sich 500 Menschen mit dem Walzen und Bearbeiten von Grobblechen.

Auch in den nächsten Jahrzehnten bleibt der Standort trotz vieler wirtschaftlicher Schwierigkeiten und trotz mehrmaliger Änderung der Besitzverhältnisse erhalten. Nach dem 2. Weltkrieg zerschlagen die Alliierten nämlich den GHH Konzern und überführen die Oberhausener Hüttenbetriebe 1951 in die neu gegründete Hüttenwerke Oberhausen AG (HOAG). 1968 übernimmt die Thyssen Stahl AG das Aktienpaket und gründet 1971 die Thyssen Niederrhein AG. Parallel mit den wachsenden Problemen auf dem Stahlmarkt legt Thyssen Zug um Zug die Betriebe in Oberhausen still.
Ende Juni 1983 protestiert der Rat der Stadt Oberhausen beim Vorstand des Thyssen-Konzerns vergeblich gegen die beabsichtigte Betriebseinstellung der Grobblechstraße, des Preßwerkes und aller anhängenden Bearbeitungsbetriebe, um den Verlust von weiteren 1 500 Arbeitsplätzen zu verhindern.

Nach einem umfassenden Kahlschlag bleibt 1990 von einer großen Hütte nur ein kleines Elektrostahlwerk mit gerade noch 200 Beschäftigten. Aber nur für kurze Zeit, denn am 19. Dezember 1997 endet mit dem letzten Abstich nach zweieinhalb Jahrhunderten die Ära der Montanindustrie in Oberhausen, die 1758 auf der Antony-Hütte in einer beinahe menschenleeren Gegend  begann.

Heute bildet das Gelände einen Teil der Neuen Mitte.

Bild 38: Haupteingang CentrO

Bild 38: Haupteingang CentrO

Bild 39: Centro-Promenade

Bild 39: Centro-Promenade

© Fritz Pamp

   

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