St. Antony-Hütte

Die Wiege der Ruhrindustrie

Die St. Antony-Hütte, eine Gründung des Freiherrn Franz Ferdinand von Wenge, nimmt am 18. Oktober 1758 in Osterfeld ihren Betrieb auf. Sie verhüttet Raseneisenerz, das in der näheren Umgebung in größeren Mengen ansteht. Nach Schwie­rig­keiten in den ersten Betriebsjahren beschäf­tigt sie je nach Vorrat an Erz und Holz­kohle zwischen 20 und 80 Mitarbeiter höchstens 30 Wochen im Jahr und erzeugt in Sand­formen bis zu 300 t Gußwaren. Der benötigte Form­sand kommt ebenfalls aus der Nachbarschaft. Im Sorti­ment sind Öfen, Töpfe, Treppen­geländer und Rohre, ab 1803 auch Kes­sel, Pumpen und Maschinen­teile. Ein Teil der Erzeug­nisse geht über den Hafen Ruhrort in den Export. Franz von Wenge stirbt 1788 im Alter von 81 Jahren. Erben sind die Enkel seiner Schwester Johanna Robertine von Hövel. Diese verkaufen die Hütte 1793 an die Fürst­äbtis­sin Maria Cunegunda, die auf dem Gebiet des Reichsstifts Essen die Hütte Neu Essen betreibt.

Gottlob Jacobi leitet beide Betriebe und ist mit einem Viertel an ihnen beteiligt. Er verlegt seinen Wohnsitz nach Kloster­hardt, und heiratet Johanna Sophie Haniel, eine Schwester der Ruhrorter Kauf­leute Franz und Gerhard Haniel. Über ihre Firma wickelt die Antony-Hütte schon seit Jahren den Vertrieb ihrer Erzeug­nisse ab. Dadurch bekommen die Haniel-Brüder auch Einblick in das lukra­tive Hütten­geschäft. Und als die Äbtissin 1805 ihre Anteile zum Kauf anbietet, greifen sie zu. So werden die Kaufleute zusammen mit ihrem Schwager Jacobi, der die technische Leitung behält, Besitzer der Hütten  St. Antony und Neu Essen.

Unter dem Management von zwei versierten Kaufleuten und einem erfahrenen Tech­niker läuft das Unternehmen gut. Die Witwe Helene Amalie Krupp, die die Hütte Gute Hoffnung in Sterkrade besitzt und hier mit vergleichsweise mäßigem Erfolg produziert, fühlt sich dieser Konkurrenz nicht mehr gewachsen. Deshalb verkauft sie ihre "Eisenschmelze" an den späteren Essener Bürgermeister Heinrich Huyssen. Huyssen gehört ebenfalls zur Ver­wandt­schaft der Gebrüder Haniel , denn diese sind mit seinen Schwestern Henriette und Friederike verheiratet. Die drei Betriebe befinden sich also im Besitz einer Familie und einem Zusam­men­schluß steht nichts mehr im Wege. 1808 gründen die vier Teilhaber die Hüttengewerk­schaft und Handlung Jacobi Haniel & Huyssen (JH&H). Rohstoffmangel führt 1820 zur Stillegung der St. Antony-Hütte. Auf dem Gelände nimmt 1821 eine Papierfabrik den Betrieb auf. Sie kommt auch nach 6 Jahren nicht aus den roten Zahlen heraus. Deshalb bläst JH&H 1827 den Hochofen nochmals an und die Hütte stellt aus dem heimi­schen Raseneisenerz wieder die bekann­ten Gießerei­-Erzeugnisse her. In den 1830er Jahren erlebt St. Antony die letzte Blütezeit, weil Preußen größere Mengen Munition ordert. Nach diesem Auftrag geht die Produktion immer mehr zurück, und 1843 kommt für den Hüttenbetrieb das endgültige Aus. Die Gießerei und eine neue Röhrendreherei produzieren mit angeliefertem Roheisen bis 1877 weiter. Dann läßt sich der Betrieb wegen der ungünstigen Verkehrslage und der veralteten Fertigungsmethoden nicht mehr wirtschaftlich führen.
Die Wiege der Ruhrindustrie schließt am 30. April 1877 für immer ihre Tore.
In den folgenden Monaten werden einige Betriebsgebäude abgerissen, die rest­lichen zu Wohnhäusern umgebaut. Diese Zeugen der St. Antony-Hütte überdauern die Zeiten bis 1969. Dann fallen sie eigentlich ohne Not der Spitz­hacke zum Opfer.

Geblieben und für das 250jährige Jubiläum 2008 restauriert ist nur das Wohnhaus des Hüttenleiters Gottlob Jacobi an der Antoniestraße, das heute eine Außen­stelle des Rheinischen Industrie­­museums beherbergt.

 

Anschrift:
Antoniestr. 32 - 34
46119 Oberhausen

   

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